Moin aus Hamburg. –
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Für alle anderen – hier gibt’s für Privatanleger jede Woche den Überblick über die wichtigsten Themen unserer Heibel-Ticker-Ausgabe. Mit fundierten Marktanalysen und Börseneinschätzungen. –
Gelesen von einer KI-generierten Stimme, die wir Schritt für Schritt optimieren, damit sie natürlicher klingt. –
Da die Erstellung der Wochenausgabe freitags oft mehr als zehn Stunden dauert und meist bis in den Abend reicht, spare ich mir das anschließende Vorlesen. –
So bleibt mehr Zeit für die Recherche und die inhaltliche Arbeit. –
Und jetzt geht’s direkt in die aktuelle Ausgabe. –
1. Info-Kicker: Anleger flüchten vor der Eskalation im Nahen Osten
Liebe Börsenfreunde,
Neben der Straße von Hormus schalten sich nun noch die Huthis in den Krieg ein und erhöhen die Unsicherheit auf den wichtigsten globalen Schifffahrtsrouten. Der Ölpreis springt um 9% an und treibt die Inflationssorgen weiter in die Höhe. Die EZB reagiert mit einer Zinsanhebung, die Aktienmärkte reagieren mit einem kräftigen Kursrückgang. In Kapitel 2 zeige ich auf, wie das alles zusammenhängt. Dort gehe ich auch kurz auf die Neuvorstellung des iPhone Duo von Apple ein.
Mit unserer Sentiment-Analyse haben wir in den vergangenen zwei Wochen vor einer möglichen Korrektur gewarnt, und genauso kam es nun. In Kapitel 3 begründe ich, warum die aktuelle Stimmungslage für weiteres Ungemach steht.
Der heutige Ausblick analysiert die Carry-Trades der 90er und 2000er Jahre und zeigt auf, was sich in den vergangenen 15 Jahren geändert hat. Nächste Woche dürfte die Bank of Japan den Zins erhöhen. Ich analysiere in Kapitel 4, ob wir mit einem weiteren Ausverkauf durch das Auflösen der Carry-Trades rechnen müssen, wie es bereits im August 2024 der Fall war.
In der Einleitung zu Kapitel 5, den Updates, liste ich kurz die wichtigsten Neuigkeiten zu unseren Portfolio-Aktien, die kein eigenes Update wert waren. Im Anschluss gibt es ein Update zu PVA TePla sowie eine neue Kaufempfehlung.
Die Leserfragen in Kapitel 6 behandeln Themen, die gut ins aktuelle Marktgeschehen passen: Nach meiner ausführlichen Wunschanalyse zu Micron möchte ein Heibel-Ticker Mitglied wissen, ob nicht SK Hynix, Quanta Services oder Comfort Systems die besseren Aktienkandidaten sind.
Ein anderer Leser möchte mit Equinor, OMV, Vår Energi oder Harbour Energy auf die niedrigen Gasstände in den nationalen Gasspeichern spekulieren. Welche dieser Aktien reagiert wohl am stärksten auf steigende Gasnotierungen?
Auf der anderen Seite meint ein Leser, eine rückläufige Nachfrage nach Windturbinen zu erkennen und möchte wissen, ob Vestas oder Nordex geshortet werden sollte.
Schließlich ist es an der Zeit, Bitcoins zu kaufen und ein Leser fragt nach meinen Erfahrungen mit der Relai-App. Meine Antwort lesen Sie in Kapitel 6.
Wie immer gibt es eine tabellarische Übersicht über unser Heibel-Ticker Portfolio in Kapitel 7.
Nun wünsche ich eine anregende Lektüre,
take share, Ihr Börsenschreibel
Stephan Heibel
Chefredakteur und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefs
2. So tickt die Börse: Zinsen auf höchstem Niveau seit 20 Jahren
Jeder von Ihnen wird eine Erinnerung daran haben, wo genau Sie heute vor 25 Jahren waren - zum Zeitpunkt, als die Idee des friedlichen Wettbewerbs der verschiedenen globalen Gesellschaftssysteme als Illusion in sich zusammenstürzte und nichts weiter als Ground Zero hinterließen.
In der Nacht des Mauerfalls am 9.11.1989 tanzte ich als Lehrling auf der Mauer, die das Brandenburger Tor umgab. Lehre, Studium und Berufsstart meines Lebens waren geprägt von Neugierde, Freiheit und Globalisierung. Ich bereiste alle 5 Kontinente unserer Erde und arbeitete in einer Reihe europäischer Länder, sowie - kurz vor 9/11 - in den USA. All das endete abrupt 12 Jahre später, am 11.9.2001.
Alle Menschen, die mehr als 12 Jahre jünger sind als ich, kennen das nicht. Sie kennen Flugzeuge nur als potenziell tödliche Waffen, Weihnachtsmärkte sind durch aufwendige Sicherheitsmaßnahmen zu Luxusveranstaltungen geworden. Die Neugierde auf andere Religionen ist verdrängt von der Angst vor Extremismus und Machtausübung durch religiöse Führer - selbst in der eigenen Religion. Und Einschränkungen der persönlichen Freiheit werden heute bereitwillig in Kauf genommen, wenn das Sicherheitsbedürfnis dadurch befriedigt wird.
Der Konflikt zwischen autokratischer Führung auf der einen, und der freiheitlich organisierten westlichen Welt auf der anderen Seite ist unübersehbar, doch eine Lösung kennen wir nicht. Der eingangs erwähnte "Wettbewerb" der Gesellschaftssysteme wird inzwischen selbst in unseren Breiten als moralisch fragwürdig betrachtet, der Ruf nach einer starken Führung wird auch in Europa immer lauter ... in den USA wurde dieser Ruf bereits erhört und dieser hat das "Pulverfass" Nahost geöffnet.
Wir Menschen wünschen uns eine Führung, die solche komplexen Probleme löst. Und im besten Fall soll die Politik das alleine machen - ohne uns. Ich habe den Eindruck, dass wir uns in eine Zeit begeben, die mit der Biedermeierzeit vergleichbar ist: Die Bevölkerung macht es sich zu Hause hübsch gemütlich und verliert das Interesse an den eskalierenden Problemen um uns herum.
Es ist das Resultat der gefühlten Machtlosigkeit. Eigenverantwortung wird immer mehr hinter Regeln und Vorschriften zurückgedrängt. Da ist es naheliegend, sich zu beklagen, statt etwas zu unternehmen, das im Zweifel verboten ist. Ich darf nicht einmal ohne Genehmigung Solarzellen auf mein Dach legen, mit denen ich ausschließlich mein Heimnetz speisen würde. Aber die Gasspeicher sind so leer wie nie zuvor, doch uns wird gesagt, das sei kein Problem.
Erkennen Sie den Bogen, den ich hier spanne? Jetzt ist es gedanklich nicht mehr weit zur Wahl in Sachsen-Anhalt, die in meinen Augen Resultat der gefühlten Machtlosigkeit ist. Wenn man den Menschen jahrzehntelang erzählt, das sei nicht ihre Aufgabe, das sei auch nicht ihre Schuld, das werde an anderer Stelle gelöst, dann führt das zwangsläufig zu einer gefühlten Machtlosigkeit, mit der man sich gegen die politische Kaste auflehnt.
Nein, weder die AfD noch die Nachfolgepartei der SED werden dieses Problem für uns lösen. Es gibt historische Vorbilder, denn was wir als Gesellschaft derzeit durchmachen, ist alles andere als einmalig. Bertold Brecht wird das folgende Zitat zugeschrieben: "Wenn Freiheit zur Phrase wird, wird politischer Ungehorsam zur Pflicht". Doch wie kann politischer Ungehorsam aussehen, wenn die politischen Ränder unzählbar groß sind? Oder sollte ich mich als glücklicher Familienvater lieber an die Biedermeierzeit halten und mein trautes Heim, Glück allein, schön kuschelig machen?
Soweit ein paar offene Gedanken zum 25. Jahrestag von 9/11.
Zinsanstieg belastet Finanzmärkte
In dieser Woche setzte sich die Eskalationsspirale im Nahen Osten wieder in Gang. War es bislang vorwiegend ein Krieg der USA gegen den Iran, so beschoss nun der Iran saudische Ölanlagen und nahm damit 400.000 Fässer täglicher Ölförderung vom Netz. Zudem werden die Huthis aktiver und schicken sich an, die zweite Meerenge zu kontrollieren, die essenziell wichtig für die Schifffahrt ist.
OelDer Ölpreis sprang im Wochenverlauf auf bis zu 107 USD/Fass Brent (Nordsee) Öl. Der Dieselpreis schießt weiter in die Höhe und hat sich in den vergangenen Monaten inzwischen verdoppelt. Der europäische Gaspreis notiert inzwischen bereits auf dem dreifachen Niveau im Vergleich zum Jahresbeginn. Auch der Baltic Dry Verschiffungsindex kletterte in den vergangenen Monaten an und steht auf dem höchsten Niveau seit der Nach-Coronazeit.
Es dürfte Sie nicht überraschen, dass hohe Transportpreise auf die Güterpreise umgeschlagen werden müssen, und so hob die EZB am gestrigen Donnerstag den Leitzins um 0,25%punkte auf 2,5% an, um der anziehenden Inflation, aktuell bei 2,9%, Einhalt zu gebieten. Der Schritt war erwartet worden, doch für eine Überraschung sorgte das, was nicht gesagt wurde: EZB-Chefin Christine Lagarde sagte nicht, dass dies vorerst die letzte Zinsanhebung sei. Im Gegenteil, sie wechselte von der viel kritisierten "Vorfestlegung" zurück auf eine Haltung, in der sie die EZB in der Rolle des Beobachters sieht, der jeweils zu den Sitzungsterminen anhand der dann aktuellen Datenlage Entscheidungen treffen werde.
Das war ein Schlag ins Gesicht derer, die sich von der EZB "mehr Verantwortung" gewünscht hätten - egal, ob das sinnvoll ist, oder nicht. Damit sind wir wieder beim obigen Thema: Viel zu viele Menschen wünschen es sich, entmündigt zu werden. Sie haben Angst vor Eigenverantwortung, Angst vor möglichen Fehlern, die man dann machen kann. Man hat sich an eine EZB gewöhnt, die frühzeitig die Richtung angibt und wie eine Schafherde folgen alle Anleger dieser Richtung. Wenn sich das dann als falsch herausstellt, war die EZB schuld.
Nun bleibt eine weitere Zinsanhebung in der Oktobersitzung der EZB möglich. Ungefähr die Hälfte der Volkswirte erwartet sogar noch eine weitere Zinsanhebung dann im Dezember. Wir sind also binnen weniger Stunden von der Erwartung eines Stopps des Zinsanhebungszyklus auf mögliche zwei weitere Zinsanhebungen gekommen. Kein Wunder, dass der DAX gestern über 1% abgab.
Für die USA wird nächste Woche Mittwoch die Zinsentscheidung der US-Fed unter Kevin Warsh erwartet. Sein Kollege Christopher Waller kündigte an, seine Entscheidung von der heute verkündeten Inflation abhängig zu machen: Wenn der Verbraucherpreisindex (VPI) rückläufig sei, könne man auf einen Zinsschritt verzichten.
Der VPI landete heute mit 3,4% punktgenau auf der Erwartung, was auch dem Niveau des Vormonats entspricht. Damit ist die Inflation NICHT rückläufig, und Waller müsste einer Zinsanhebung zustimmen. Der Druck auf Kevin Warsh steigt. Wir wissen, dass Donald Trump keine Zinsanhebungen sehen möchte. Doch 3,4% Inflation sind weit entfernt von dem Ziel der 2%, und nachdem diese Woche die Hoffnung auf ein absehbares Ende des Irankriegs gesunken ist, dürften die steigenden Transportkosten noch eine Weile die Inflation treiben. Am Markt erwartet man inzwischen mit einer Wahrscheinlichkeit von 87% eine Zinsanhebung - trotz des moderaten VPI.
An den Anleihemärkten reagiert man schon entsprechend: Die Rendite der zwei Jahre laufenden US-Staatspapiere klettert diese Woche auf 4,6%, der höchste Stand seit zwei Jahren. Bei 10 Jahre laufenden US-Staatspapieren klettert die Rendite auf 4,94% und somit nah an die 5%-Hürde, die seit 20 Jahren nicht mehr übersprungen wurde. Und die lang laufende 30-jährige US-Staatsanleihe notiert mit 5,3% so hoch wie seit dem Platzen der Internet-Blase nicht mehr.
Dabei versucht Finanzminister Bessent nach Kräften, ein noch schnelleres Ansteigen der Renditen zu verhindern. Vor einer Woche kündigte er an, die periodischen (alle 2 Wochen) Rückkäufe von Staatsanleihen von 2 auf 4 Mrd. USD zu erhöhen. Gestern war der erste Termin und zu meiner Überraschung kaufte er Anleihen im Volumen von 6 Mrd. USD zurück. Diese zusätzliche Nachfrage nach Anleihen mindert den Druck auf die Renditen. Daher ist es um so Besorgnis erregender, dass das Zinsniveau trotzdem so kräftig angestiegen ist.
Hohe Zinsen wirken wie eine Sondersteuer auf Investitionen, neue Projekte werden teuer und damit nicht selten unprofitabel und folglich nicht realisiert. Das Wirtschaftswachstum wird gebremst, um die Inflation einzufangen.
Musterschüler Deutschland befindet sich ebenfalls auf dem Weg zu höheren Zinsen, wenngleich auf niedrigerem Niveau. Die Renditen unserer Papiere rentieren derzeit von 3,19% (2-Jahre laufender Bund), über 3,5% (10 Jahre) bis 3,9% (30 Jahre). Damit notieren die Zinsen inzwischen wieder auf dem höchsten Niveau seit der großen Finanzkrise 2008/2009.
So gab der DAX diese Woche 2% ab, der S&P 500 bislang "nur" 0,5%. Neben der Fed-Sitzung nächste Woche wird auch die Bank of Japan tagen. Was das für den Carry-Trade bedeutet, bespreche ich in Kapitel 4.
Apple
Es hat ein Ende: Die immer größer werdenden Smartphones, die in keine Hosentasche mehr passen, wurden diese Woche durch ein neues Format bereichert: das Apple Duo. Apple betritt damit den Markt der Klapphandys. Mit einem Einstiegspreis von 2.300€ dürfte das Gerät eher als Arbeitsgerät neben dem iPad positioniert werden, denn telefonieren kann man auch günstiger. Die neuen iPhone 18 Pro Modelle wurden im Preis um 100€ gegenüber den Vorgängermodellen angehoben, um den gestiegenen Speicherpreisen Rechnung zu tragen.
Die Apple Aktie konnte diese Woche gegen den allgemein negativen Trend zulegen (+5%).
Neben Apple hielt sich der Technologiesektor diese Woche erstaunlich gut. Auch die Energieversorgung blieb vom Ausverkauf verschont. Im DAX sieht man dies durch die grünen Wochenvorzeichen bei Infineon, RWE und E.On. Am anderen Ende stehen die Unternehmen, die unter den hohen Zinsen am stärksten leiden: Rohstoffunternehmen, Industrieunternehmen, der Einzelhandel und die Immobilienbranche. Also Heidelberg Materials (-8%), Rheinmetall (-4%), Zalando & Henkel (-6% & -5%) und Vonovia (-6%).
Schauen wir uns mal die Wochenentwicklung der wichtigsten Indizes an:
Der Ölpreis springt mit +9% ins Auge. Aber auch die anziehenden Renditen (+0,16%punkte) sind gewaltig, wenn man sie relativ zum Zinsniveau sieht (+5% bei der Umlaufrendite).
Gold bewegt sich selten in einer direkten Reaktion auf Zinsänderungen, sondern wird von der allgemeinen Marktskepsis zunächst mitgerissen, um sich dann später unbemerkt schneller zu erholen als der Rest. Also ja, ich halte eine ordentliche Goldbeimischung für jedes Portfolio für sinnvoll.
Und der Bitcoin hängt stark an den Zocker-Aktien, die bei steigenden Zinsen besonders ausverkauft werden. Somit betrachte ich die relative Stärke des Bitcoins in diesen Tagen als Zeichen dafür, dass er auf dem Sprung steht. Seit Monaten vertrete ich hier die Meinung, dass der Bitcoin im Oktober seine nächste Rallye starten könnte. Von dieser Erwartung weiche ich nicht ab.
In einer Leserfrage habe ich heute kurz zu Relai Stellung genommen: Das ist noch immer ein einfacher Weg, sich Bitcoins zuzulegen.
Schauen wir nun, wie sich die Stimmung unter den Anlegern entwickelte. Ich hoffe, die Einblicke heute waren hilfreich für Sie. –
Mehr Details finden Sie wie immer auf heibel-ticker Punkt d e. –
Wenn Sie Fragen oder Anmerkungen haben, freue ich mich über Ihre Nachricht. –
Und nächste Woche gibt’s die nächste Folge – bis dahin. –