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DAX erreicht Allzeithoch bei fallendem Ölpreis und schwachem US-Arbeitsmarkt

Stephan Heibel Season 2026 Episode 27

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 Der DAX übertrifft sein Rekordhoch aus dem Januar und gewinnt binnen einer Woche vier Prozent. Zwei Faktoren treiben die Rekordjagd: der stark gefallene Ölpreis nach der Entspannung zwischen den USA und dem Iran sowie ein schwächerer US-Arbeitsmarktbericht mit deutlich weniger neuen Jobs als erwartet. Beide Entwicklungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit sinkender Zinsen, ohne dass gleichzeitig Rezessionssignale entstehen. Parallel beginnt an den Märkten eine kritische Prüfung der KI-Investitionen: Microns Rekordquartal löst einen Kursrückgang aus, weil hohe Speicherpreise die Kosten der Hyperscaler erhöhen, während Chip-Maschinenbauer als Frühindikator deutliche Verluste verzeichnen. Meta dagegen profitiert vom Verkauf überschüssiger KI-Rechenleistung. Die Episode liefert eine ausführliche technische Analyse zu Rheinmetall nach dem Kurseinbruch durch den Stopp des Fregattenprojekts F126, ordnet den Verkauf der Nike-Position ein und erklärt, warum der DAX in dieser Woche deutlich stärker abschneidet als der S&P 500. Ergänzend beantwortet die Ausgabe Leserfragen zu CTS Eventim, der Deutschen Telekom, Gold und der Atomenergie-Debatte sowie die Wunschanalyse zu Alphabet. 

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Für alle anderen – hier gibt’s für Privatanleger jede Woche den Überblick über die wichtigsten Themen unserer Heibel-Ticker-Ausgabe. Mit fundierten Marktanalysen und Börseneinschätzungen. –

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Da die Erstellung der Wochenausgabe freitags oft mehr als zehn Stunden dauert und meist bis in den Abend reicht, spare ich mir das anschließende Vorlesen. –

So bleibt mehr Zeit für die Recherche und die inhaltliche Arbeit. –

Und jetzt geht’s direkt in die aktuelle Ausgabe. –

– Liebe Börsenfreunde,

Im Zentrum der heutigen Ausgabe steht die Wunschanalyse von Alphabet, die sich von 219 Plus-Mitgliedern gewünscht wurde. Ich muss schon sagen, Sie haben ein gutes Näschen, denn Alphabet ist inzwischen eine günstige KI-Aktie, die vertikal große Bereiche der KI-Welt abdeckt. Die Analyse lesen Sie in Kapitel 6. Zweitplatzierte der Abstimmung dieser Woche ist die Deutsche Telekom. Ich habe auch zu diesem Titel einen kurzen Kommentar ausgearbeitet, wie Sie im Kapitel 8 unter den Leserfragen sehen werden.

Vor einigen Wochen hatte Rheinmetall die Abstimmung zur Wunschanalyse gewonnen und das Ergebnis war eine Kaufempfehlung, aber noch nicht jetzt. Nachdem der Kurs nun kräftig unter die Räder kam, habe ich mir diese Woche die technische Verfassung näher angeschaut. Dabei habe ich die charttechnischen Tools genutzt, auf die ich über die Bloomberg-KI zugreifen kann. Die technische Analyse hilft, den richtigen Zeitpunkt für ein Investment in eine Aktie zu finden, die man "irgendwann" zu günstigem Kurs ins Depot holen möchte. Natürlich habe ich die technischen Begriffe durch für Sie verständliche Erklärungen ersetzt. Verpassen Sie also nicht Kapitel 7.

Losgehen tut's wie immer in Kapitel 2 mit dem Wochenrückblick: Ich gehe davon aus, dass wir auf ein Umfeld sinkender Zinsen zulaufen und denke, dass ein solches Szenario von den meisten Anlegern noch nicht für möglich gehalten wird.

Die Sentiment-Analyse gibt diese Woche ziemlich konkrete Hinweise auf eine mögliche Entwicklung im DAX für die Sommerzeit. Dabei spielt es eine Rolle, dass Privatanleger und institutionelle Anleger derzeit diametral gegensätzlich positioniert sind, wie Sie in Kapitel 3 lesen werden.

Im heutigen Ausblick in Kapitel 4 gehe ich kurz nochmals auf wichtige Erkenntnisse für die laufende KI-Revolution ein, die meiner Einschätzung nach den Trend der kommenden Tage und vielleicht Wochen bestimmen können.

Wir haben uns diese Woche von unserem Portfoliotitel Nike getrennt: Der Turnaround dauert mir zu lange, Adidas macht das besser. Mehrere Insiderkäufe hatten mich vor einigen Monaten positiv gestimmt, doch die Probleme scheinen tiefer zu sitzen, als selbst die Insider erwarteten. Mehr dazu lesen Sie im entsprechenden Update in Kapitel 5.

Die Leserfragen greifen aktuelle Themen und attraktive Aktienstories auf. In Kapitel 8 beantworte ich vier Leserfragen zu den Aktien CTS Eventim und zur Deutschen Telekom. Außerdem diskutiere ich, ob es bereits wieder ein guter Kaufzeitpunkt für Gold ist. Schließlich gehe ich aus Spaß an der Freude mal inhaltlich auf die Diskussion pro und contra Atomenergie ein.



2. So tickt die Börse: DAX stürmt auf Allzeithoch

Fast sechs Monate dauerte es, nun ist es vollbracht: Der DAX übertraf am Donnerstag sein Rekordhoch von Mitte Januar und setzte am heutigen Freitag mit 25.809 Punkten gleich die nächste Bestmarke obendrauf. Für die Woche steht ein Gewinn von 4% zu Buche. Damit ließ unser Leitindex die Wall Street deutlich hinter sich. In den USA wird heute nicht gehandelt. Der morgige 250. Geburtstag (4th of July) fällt auf einen Samstag und bei den wenigen Feiertagen, die es in den USA gibt, pflegt man Wochenend-Feiertage dann eben entsprechend zu verschieben. Die starke Performance des DAX ist bemerkenswert, denn sie kommt aus einer Position der relativen Schwäche: Seit Jahresbeginn liegt der DAX mit 4,7% deutlich hinter EuroStoxx 50 und Dow Jones, die jeweils rund 10% im Plus notieren. Der deutsche Markt holt also lediglich nach, was er in der ersten Jahreshälfte liegen ließ. Während US-Aktien nach der KI-Rallye als hoch bewertet eingestuft wurden, war beim DAX zuletzt viel Konjunkturpessimismus eingepreist, der sich nun langsam auflöst.

Hormuz-TankerZwei Treibstoffe befeuern die Rekordjagd, und beide haben mit meiner Zins-These zu tun. Erstens der Ölpreis: Fallende Ölpreise sorgen für massive Entlastung, nachdem die Entspannung zwischen den USA und dem Iran die Kriegsprämie aus dem Markt gedrückt hat. Der Ölpreis verlor binnen 30 Tagen mehr als ein Viertel an Wert und notiert wieder auf dem Niveau von vor dem Konflikt. Mit der Passierbarkeit der Straße von Hormus dürften große Mengen an physischem Rohöl auf den Markt schwemmen. Hält die Entspannung an, ist der Weg für weiter fallende Notierungen frei.

Zweitens der US-Arbeitsmarkt: Im Juni entstanden nur 57.000 neue Jobs, deutlich weniger als die erwarteten 115.000, und die Vormonate wurden um zusammen 74.000 Stellen nach unten revidiert. Es entstehen also weniger neue Jobs. Das ist ein Anzeichen für eine abflauende Konjunktur. Die dennoch auf 4,2% gesunkene Arbeitslosenquote sollte man nicht überbewerten. Sie ist nicht Ausdruck eines plötzlich stärkeren Arbeitsmarkts, sondern wurde durch eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung begünstigt: Die Partizipationsrate fiel auf 61,5% und damit auf den niedrigsten Stand seit März 2021. Die US-Arbeitslosenquote zählt nicht alle Menschen ohne Job. Als arbeitslos gilt nur, wer keinen Job hat, verfügbar ist und zuletzt aktiv nach Arbeit gesucht hat. Wer die Jobsuche aufgibt oder vorübergehend nicht sucht, fällt aus der offiziellen Arbeitslosenquote heraus und landet statistisch außerhalb des Arbeitsmarkts. Die niedrige Partizipationsrate ist der Beleg dafür, dass der arbeitswillige, aber derzeit nicht aktiv suchende Anteil der Bevölkerung wesentlich größer ist, als die niedrige Arbeitslosenzahl auf den ersten Blick vermittelt. Der Arbeitsmarkt kühlt also ab, ohne einzubrechen. Das ist für die Börse die beste aller Welten, denn ein schwächeres Wachstum erzwingt niedrigere Zinsen, ohne gleichzeitig Rezessionspanik zu erzeugen.

Ich erinnere daran, dass in den USA zuletzt nicht über Zinssenkungen, sondern über Zinserhöhungen diskutiert wurde. Der US-Leitzins steht bei 3,50 bis 3,75%, und noch im Juni projizierten neun Notenbanker mindestens eine weitere Anhebung für 2026, weil die Kerninflation mit 3,4% hartnäckig über dem Ziel verharrt. Der schwache Arbeitsmarktbericht hat diese Diskussion vorerst beendet.

Kurzfristig bleibt der Inflationsdruck erhalten, denn die gigantischen KI-Investitionen wirken preistreibend – die Woche lieferte dafür Anschauungsmaterial frei Haus. Micron meldete ein Rekordquartal, sprach von Speicherknappheit bis mindestens 2028, und Apple gab die explodierenden Speicherpreise mit Aufschlägen von bis zu 300€ beim MacBook direkt an die Kunden weiter. Das ist KI-getriebene Güterinflation in Reinform. Doch mittelfristig sollte sich die disinflationäre Kraft des fallenden Ölpreises durchsetzen: Energie wirkt über Transport, Produktion und Vorleistungen auf nahezu alle Preise, während die Speicherknappheit ein Nischenphänomen der Tech-Hardware bleibt. Setzt sich die geopolitische Entspannung fort, dürften niedrigere Zinsen das Rennen machen und der abkühlende Arbeitsmarkt nimmt der Fed jeden Grund, sich dagegen zu stemmen. Die Börse hat diese Rechnung am Donnerstag aufgemacht und den Dow prompt auf ein Rekordhoch getrieben.

KIUnter der Oberfläche vollzog sich derweil ein Reifungsprozess, der den KI-Boom nicht beendet, sondern gesünder macht. Die exorbitanten Wachstumsraten der KI-Revolution, getrieben durch die hohen Investitionen der Hyperscaler, werden nicht mehr in Frage gestellt. Nun wird diskutiert, ob sich diese Investitionen rechnen. Microns operativ makelloses Quartal wurde mit einem Kursverlust von über 10% quittiert, denn Rekordmargen beim Speicherhersteller bedeuten Rekordkosten bei Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta, die diese hohen Kosten beim Bau ihrer KI-Rechenzentren bezahlen müssen.

Tags darauf traf der Ausverkauf gezielt die Chip-Maschinenbauer und die Anbieter von Nicht-KI Chips: SanDisk und Teradyne verloren je 14%, KLA Tencor 12%, Lam Research 10%, während Nvidia, Taiwan Semi und Broadcom ihr Kursniveau halten konnten. Auch der Maschinenbauer in unserem Heibel-Ticker Portfolio wurde um 5% nach unten gedrückt. Maschinenbau-Aktien sind Frühindikator für die Investitionsabsichten der Chip-Hersteller, sie laufen der Entwicklung meist um 4-6 Quartale voraus. Der Selloff signalisiert eine vorsichtigere Investitionsplanung außerhalb der engen KI-Nische.

Wer allerdings bereits Geld verdient, wird belohnt: Meta sprang um 9% an, nachdem der Konzern ankündigte, überschüssige KI-Rechenleistung als Cloud-Dienstleistung zu verkaufen. Aus Kostenblöcken werden im Zuckerberg-Universum damit plötzlich Erlösquellen, aus Kapitalverbrennung wird ein Margentreiber.

Nike hingegen zeigte die Kehrseite: Trotz übertroffener Gewinnerwartungen, gestützt von Zollrückerstattungen, fiel die Aktie, weil das China-Geschäft nach wie vor keine Aussicht auf Besserung bietet. Wir hatten das Schicksal unserer Position an diesen Quartalsbericht gehängt und somit unsere spekulative Position in Nike nunmehr aufgelöst.

Hierzulande sorgten zwei Einzelwerte für Schlagzeilen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Bayer sprang nach dem Supreme-Court-Urteil zu Glyphosat, das den US-Klagen die Grundlage entzieht, um 9% an und trieb den DAX mit an. Nach Jahren der Rechtsunsicherheit endlich Planungssicherheit.

RheinmetallDie Aktie von Rheinmetall dagegen verlor nach dem Stopp des Fregattenprojekts F126 rund 19%. Das Unternehmen beziffert die mögliche Umsatzbelastung für 2026 auf bis zu 300 Mio. €. Im Rahmen unserer ausführlichen Wunschanalyse hatte ich Rheinmetall als Kaufkandidat bezeichnet, sobald der laufende Ausverkauf endet. Anlässlich des erneuten Kurseinbruchs erstellte ich Ihnen heute eine ausführliche technische Analyse, mit deren Hilfe wir beurteilen, ob sich der Ausverkauf seinem Ende nähert, oder ob es noch immer zu früh für einen Kauf der Aktie ist. Mehr dazu in Kapitel 6.

Erfreuliches gab es von Boeing: Die US-Flugbehörde FAA erteilte der 777-9 die Typengenehmigung der Phase 4B, einen der letzten Schritte vor der finalen Zertifizierung. Der Zeitplan, Zertifizierung Ende 2026, Auslieferungen Anfang 2027, bleibt bestehen.

Bleibt abschließend die Frage, warum der DAX diese Woche mit +4% so viel besser lief als der S&P 500 mit nur +1,7%. Da kamen einige Dinge zusammen: Zunächst wirkt sich der rückläufige Ölpreis direkt positiver auf das Energie-Importland Deutschland aus als auf die USA, in denen das meiste verwendete Öl selbst gefördert wird. Außerdem gibt es im DAX keine Chip-Maschinenbauer, deren Aktienkursverfall den Index belasten würde, wie es im S&P 500 sowie insbesondere im Nasdaq 100 der Fall war. Und zu guter Letzt hat der DAX gegenüber den US-Aktienmärkten im ersten Halbjahr kräftig Nachholpotenzial aufgebaut. In Kapitel 4 gehe ich darauf ein, ob daraus ein neuer Trend entstehen kann, oder ob es sich nur um eine kurzzeitige Gegenbewegung handelt. 

Ich hoffe, die Einblicke heute waren hilfreich für Sie. –
Mehr Details finden Sie wie immer auf heibel-ticker Punkt d e. –
Wenn Sie Fragen oder Anmerkungen haben, freue ich mich über Ihre Nachricht. –
Und nächste Woche gibt’s die nächste Folge – bis dahin. –